Mompreneurs- Herd UND Job

In den Zeitungen und im Fernsehen gibt es immer wieder die gleiche Debatte: Frauen am Herd vs. „Rabenmütter“, welche arbeiten gehen und ihre Kinder in die Kindertagesstätte abschieben. Dann gibt es noch die Mutter, welche ein Unternehmen gründet und von zu Hause aus arbeitet. Geht das? Was treibt frischgebackene Mütter an ein Startup zu gründen? Homeoffice und Flexibilität ist in der Diskussion rund um die Digitalisierung bereits lange ein Thema und auch für Mütter sind diese zwei Punkte entscheidend, um arbeiten gehen zu können.

Herd oder Job?

Am 10. Juni 2016 wurde in der Arena von SRF diskutiert (vgl. SRF, 2016) wieso so viele gut ausgebildeten Frauen zu Hause am Herd bleiben, sobald sie Kinder bekommen. Sie haben schliesslich heute alle Möglichkeiten.

„Frauen haben heute alle Freiheiten. Welches Modell eine Familie wählt, spielt keine Rolle. Familienplanung ist Privatsache.“ (stv. Chefredaktor der Weltwoche, SRF, Phillip Gut, 2016) „Der Staat solle sich aus der Familienpolitik raushalten.“ Subventionen für Kitas (Kindertagesstätten anm.d.R). lehnt Gut deshalb kategorisch ab. Er räumt hingegen ein, dass Krippen viel zu teuer seien.

Genau das ist für viele Familien der Knackpunkt: Bereits ab zwei Kindern lohnt es sich nicht mehr zu arbeiten, denn die Kosten für die Kindertagesstätten oder andere Betreuungsformen sind zu hoch.

Auch zeigt sich, dass der Wiedereinstieg in die Berufswelt häufig sehr schwierig ist. An ihren alten Arbeitsplätzen ist eine Pensumredaktion oft nicht realisierbar. Viele Firmen zögern Mütter mit Kleinkindern einzustellen, da diese daheim bleiben würden, wenn ihr Kind krank ist. (vgl. Coopzeitung, 2016)

Und dies obwohl von verschiedenen Seiten immer wieder betont wird wie wichtig Frauen für die Wirtschaft in der Schweiz sind.

So beispielsweise am letzten SEF (vgl. Swiss Economic Forum, 2016) Nationalratspräsidentin Christa Markwalder: (…) „das inländische Fachkräftepotential – insbesondere was die Frauen betreffe –  sei noch lange nicht ausgeschöpft“ (…).

Auch Valentin Vogt, Präsident des Arbeitgeberverbandes ist in der ARENA der gleichen Meinung: „Die Wirtschaft braucht die Frauen.“ Er plädiert für Teilzeitpensen für Frauen. (vgl. Valentin Vogt, SRF, 2016)

Mompreneurs – Wenn Mütter Unternehmen gründen

Viele Mütter werden in der Not erfinderisch und werden einfach ihr eigener Chef. Mompreneur nennen sich solche Gründerinnen. Die Bezeichnung stammt aus dem Englischen und setzt sich aus Mom = Mutter und Entrepreneur = Unternehmer zusammen. Laut der Coopzeitung wird jede 6. Firma in der Schweiz von einer Mutter gegründet. Hilfestellung leistet dabei das Internet. Die Mütter können von zu Hause aus ihre Produkte anbieten, dadurch sind sie flexibler. Wenn ihre Kinder krank sind oder in den Schulferien keine Betreuung vorhanden ist, ist die Mutter zu Hause.

Social Media und gut vernetzt zu sein ist für Mompreneurs besonders wichtig. Dies zeigt die Erfolgsgeschichte von Racha Fajjari. Sie ist die Gründerin von mamalicious.ch. Als sie 2010 die Gruppe mamalicous auf facebook gründete, wollte die schwangere Racha sich bloss mit Gleichgesinnten austauschen. Mittlerweile führt sie zwei Online-Shops (Babylicious.ch und jolieboheme.ch) und ein Ladengeschäft in Männedorf (ZH), das SEELOFT219. Dazu zählt ihr Facebook-Netzwerk über 18’0000 Mitglieder in 9 Untergruppen. Regelmässig organisiert sie den Mamalicious Market, bei dem Unternehmen ihre Ware zur Hälfte des Preises verkaufen. (vgl. Coopzeitung, 2016)

Ester Eisenhardt dürfte vielen Mompreneurs ein Begriff sein. Die Berlinerin arbeitete in mehreren Start-ups, bevor sie im 2014 beschloss etwas eigenes auf die Beine zu stellen. Vor einem dreiviertel Jahr machte sich Eisenhardt selbstständig.

Sie startete in Berlin Mompreneurs, ein Netzwerk für Mütter, die ein eigenes Unternehmen gegründet haben oder gründen wollen. Mit einem ausführlichen Portrait pro Woche auf der Seite mompreneurs.de macht sie seitdem auf selbstständige Mütter aufmerksam.

Ein wichtiges Anliegen ist ihr auch, dass sich Frauen ein Netzwerk aufbauen und von erfahrenen Gründerinnen profitieren können. So können vermeidbare Fehler auch minimiert werden. Austauschen können sich die Frauen in einer geschlossenen Facebook-Gruppe Facebook-Mompreneur. Auch offline in acht deutschen Städten und auch in Zürich und Wien finden regelmässig Mompreneurs-Treffen statt. Es finden auch Seminare beispielsweise zu SEO statt.

Eisenhardt betont aber auch, dass ihr Netzwerk nicht die Sheryl Sandbergs von morgen vereinen möchte. „Ich wollte ein Netzwerk für Frauen bauen, die etwas Eigenes aufbauen – ohne dass es gleich das nächste Facebook werden muss.Wer Kinder hat, will auch leben und Zeit mit ihnen verbringen. Vielen der Gründerinnen geht es deswegen nicht darum, möglich viel Geld in kürzester Zeit zu verdienen.“ (vgl. gründerszene Hannah Loeffler, 2015)

Herd UND Job

Und trotzdem kann gerade in der Gründung eines Unternehmens eine Lösung gefunden werden für viele brachliegende Talenten von Müttern. Anstatt die erworbenen Fähigkeiten des BWL Studiums versauern zu lassen, können diese Skills im eigenen Unternehmen eingesetzt werden.

Der Arbeitnehmer von morgen wird vermehrt Freelancer sein und Frauen und Mütter sollen dabei nicht vergessen gehen. Doch dazu muss jede Frau ihre Fähigkeiten hervorheben und zeigen was sie kann. Wir können nicht erwarten entdeckt und gefördert zu werden, wenn wir unsere eigenen Fähigkeiten nicht kennen. Damit wir auch in der Zukunft ernst genommen werden, gibt es nur eins: Aufstehen und für uns einstehen, wie es vor 25 Jahren am 14. Juni 1991 beim nationalen Frauenstreik geschah.

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3 Gedanken zu “Mompreneurs- Herd UND Job

  1. Klasse Artikel! Ich finde, dass es inzwischen schon viele Mütter gibt, die ein wirklich tolles Business aufgebaut haben. Selbst, wenn nicht jede damit reich wird, kann es ihr doch mehr Freiheit geben, als ein Job im regulären Angestellten-Verhältnis.
    Zudem ist es ja nicht so, dass man nicht nur die eigenen eh schon vorhandenen Fähigkeiten durch die Selbstständigkeit nicht in Vergessenheit geraten lässt, nein, man baut diese ja auch weiter aus!

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